IK-Klasse

IK-Klasse an der MBS

 

IK 1:                                                                                   IK 2: 

IK 1  IK 2

Unsere beiden IK-Klassen an der MBS im Schuljahr 2016/17

 

Die Intensivklasse 1 mit ihrer Lehrerin Frau Saar-Tebati:

Janat und Saba aus dem Irak; Jihad, Aisha, Bayan, Mohamad Yahja, Mohammad Amir, Mustafa  und  Malva  aus Syrien; Fahd aus Pakistan; Trendafilka, Simeon-Todorov  aus Bulgarien; Tuba, Muhammad Reza und Zahra  aus Afghanistan und Rijad

Die Intensivklasse 2 mit ihrer Lehrerin Frau Kuntze-Engemann:

Hasan, Ahmed, Rami  und  Alaa aus Syrien; Abdu, Ibrahim und Omar aus dem Irak; Naurows, Fatima, Shaker, Samim und Ali aus Afghanistan; Alen und Lucija aus Kroatien; Yasmina aus Bulgarien, Lirigzon aus dem Kosovo

 

Stellt euch vor: Eure Eltern haben entschieden, dass sie nach Schweden auswandern wollen, weil es dort bessere Jobs für sie gibt. Ihr müsstet nun in eine normale schwedische Klasse, versteht kein Wort Schwedisch und das bisschen Englisch, das ihr gelernt habt, reicht auch nicht hinten und vorne.

So geht es vielen Schülern/innen, die aus allen Kontinenten aus unterschiedlichen Gründen zu uns nach Deutschland kommen.  Die einen sind Flüchtlinge aus Afghanistan,  Pakistan, Eritrea und Somalia. Die anderen stammen z.B. aus Peru, Thailand, Bulgarien, Rumänien, Spanien und Portugal wie die Schüler der jetzigen Intensivklasse.  Es sind Schüler/innen vom 5. bis 10. Schuljahr, vom 10. bis 16.    Lebensjahr. Die meisten kommen zu Beginn eines Schuljahres zu uns, viele jedoch auch erst während des laufenden Schuljahres. Unsere Schüler/innen haben die unterschiedlichsten Schulen in ihrem Heimatland besucht. Einige können noch nicht richtig lesen und schreiben und müssen noch alphabetisiert werden, andere sprechen schon mehrere Sprachen und könnten aufs Gymnasium gehen, wenn sie die deutsche Sprache beherrschen würden. 

IK4So schnell wie möglich Deutsch lernen. Das ist ein Ziel der Intensivklasse,  damit die Schüler/innen am Regelunterricht teilnehmen können. Einige schaffen das schon nach einem halben Jahr, andere brauchen etwas länger. Wer Grundkenntnisse der deutschen Sprache besitzt,  nimmt schon stundenweise am Unterricht der Klasse teil.

Frau Happel, Frau Saar-Tebati und Frau Kuntze-Engemann  sind die Lehrerinnen der Intensivklasse.  Wöchentlich 25 Unterrichtsstunden werden unsere Schülerinnen und Schüler in den Fächern Deutsch, Mathematik, Gesellschaftslehre und Sport unterrichtet. Lernspiele, Gesellschaftsspiele, Filme  oder  Computerprogramme ergänzen die Arbeit mit dem Lehrbuch.

Ein zweiter Schwerpunkt unserer Arbeit ist die schulische und gesellschaftliche Integration. Die Schülerinnen kommen in Deutschland an und die Intensivklasse stellt zumeist den ersten authentischen Kontakt mit fremden Menschen in diesem Land dar. Erstes Anliegen ist daher der KONTAKT, das Ankommen, das Herstellen einer Beziehung zueinander. Sie lernen andere, genauso fremdsprachige Schüler/innen kennen und Lehrer/innen, die ihrem im Heimatland geprägten Bild eines Lehrers nicht entsprechen. Die Kinder müssen sich völlig neu orientieren, viele reagieren mit viel Zurückhaltung, was den Sprachlernprozess verzögert. Andere öffnen sich und testen die Grenzen recht bald aus. In jedem Fall ist Integration nicht nur sprachlich, sondern auch sozial zu denken: die Regeln, die in einer Schule (Schulordnung) und einer Klasse (Klassenregeln) oder einer Gruppe  im Gespräch (Gesprächsregeln) oder Spiel (Spielregeln) gelten, müssen greifbar gemacht werden.

Ik3Wir  legen auch  großen Wert darauf, dass unsere Schüler/innen von Beginn an einer der Arbeitsgemeinschaften teilnehmen, die an unserer Schule nachmittags angeboten werden. Sie lernen das Leben an der Martin-Buber-Schule kennen, das deutsche Schulsystem und sie lernen ihren Heimatort kennen. So besuchen wir die Stadtbücherei, das Stadtbüro, die Schwimmbäder, die Sportstätten und Sportvereine. Viele unserer Schüler/innen schließen sich einem Sportverein an.

Auch nach  Beendigung der Intensivklasse werden unsere Schüler/innen nicht alleine gelassen. In einem 6- bis 8-stündigen Aufbaukurs Deutsch und Mathematik werden sie weiterhin intensiv betreut in allen fachlichen und organisatorischen Fragen. In der Regel nach 2 Schuljahren sind alle in der Lage, die Intensivklasse und den Aufbaukurs zu verlassen, um ihren Weg an unserer Schule erfolgreich zu gehen.

                                                                                   H. Kuntze-Engemann, Klassenlehrerin der Intensivklasse,

                                                                                   W. Saar-Tebati,

                                                                                   I. Happel

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Eine ehemalige Schülerin, die die IK-Klasse besucht hat, ist seit einigen Jahren eine Lehrerin auf unserer Schule, die Frau Akcin. In einem Interview erzählt sie von ihrem Lebensweg von der IK-Schülerin bis zur Lehrerin der MBS:

Interview mit Frau Akcin

Kompass: Aus welchem Land kommen Sie?
Fr. Akcin: Ich komme aus Anatolien. Das liegt in der Türkei.

Kompass: Fiel Ihnen die Umstellung schwer als Sie nach Deutschland kamen?
Fr. Akcin: Ja, das viel mir schwer, weil ich erst mit 14 Jahren nach Deutschland kam und das ohne ein Wort deutsch sprechen zu können.

Kompass: Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?
Fr. Akcin: Weil mein Vater schon seit vier Jahren in Deutschland wohnte und die Familie durch Familienzusammenführung nachkommen ließ.

Kompass: Vermissen Sie Ihre alte Heimat?
Fr. Akcin: Ja, ich vermisse meine Kindheit. Ich bin dort auf dem Land aufgewachsen, in der schönen Natur. Ich vermisse diesen Lebensraum in der Natur.

Kompass: War es für Sie schwer Deutsch in einer bestimmten Zeit zu lernen?
Fr. Akcin: Klar, es fiel mir sogar sehr schwer. Ich hatte ja keine Deutschkenntnisse und auch keine Hilfe. Ich habe pro Tag mindestens 20 Wörter gelernt. Natürlich braucht man eine geregelte Lernzeit und Disziplin.

Kompass: Wie fanden Sie die IK-Klasse und was ist sie?
Fr. Akcin: Ich fand die IK-Klasse sehr angenehm. Wir wurden von Frau Kunze-Engemann unterrichtet. Sie hat uns jeden Tag gefragt, welches Datum wir haben und wie das Wetter ist. Da das Wetter in Deutschland sehr wechselhaft ist, konnte ich jeden Tag das Wetter mit einem anderen Wort beschreiben
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Kompass: Fanden Sie schnell Freunde?
Fr. Akcin: Ja, ich fand zwei Freundinnen, die auch in der IK-Klasse sehr fleißig lernten. Die eine davon ist später Informatikerin geworden.

Kompass: Was war Ihr Lieblingsfach?
Fr. Akcin: Meine Lieblingsfächer waren Kunst, Chemie, Mathe und Sport.

Kompass: Wann haben Sie sich entschlossen Lehrerin zu werden?
Fr. Akcin: Der Beruf hatte mich schon in meiner Kindheit interessiert; das war in der 10. oder 11. Klasse. Aber es hat sich auch eingependelt, da wir in der Familie viele Lehrer/innen haben.

Kompass: Welche Tipps haben Sie für die zukünftigen IK-Schüler damit sie besser und schneller Deutsch lernen?
Fr. Akcin: Ich kann nur sagen, dass man geregelte Lernzeiten braucht, sich daran hält und sich auch klar macht, wie viele Wörter man an einem Tag lernen möchte. Außerdem sollte man jeden Tag sehr viel Deutsch sprechen, die Hoffnung nicht verlieren und an sich glauben.

Kompass: Wie haben Sie es geschafft Lehrerin zu werden?
Fr. Akcin: Ich habe Deutsch gelernt und mein Studium absolviert. Dazu musste ich am Tag vier oder mehr Stunden lernen, sonst wäre ich heute nicht an der Martin-Buber Schule.

Mariza Wörpel & Tabea Vogel, 9A 

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Ein ehemaliger IK-Schüler (Umar Khan, 8c) erzählt über seine Erfahrungen in der IK-Klasse:

 

Viele Leute haben mich gefragt, was die Intensivklasse überhaupt ist, weil sie davon nie zuvor gehört hatten und ihnen die Wichtigkeit der Intensivklasse nicht bekannt war. Ich möchte hier berichten, welche Rolle diese Klasse in meinem Fall gespielt hat.

Am 23.04.2012 war es endlich soweit. Meine Familie und ich kamen nach Deutschland. In Pakistan waren meine Familie und ich wegen unserem Glauben verfolgt worden und mussten flüchten. Für mich war alles neu, viele Fragen schwirrten durch meinen Kopf und die wichtigsten Fragen waren, was aus mir in Zukunft werden würde und wie ich diese neue Sprache lernen könnte.

Zum Glück gab es einen große Hoffnung für mich und das war mein Cousin Adnan K. , der mir in dieser schwierigen Zeit geholfen hat und er erzählte mir von der Intensivklasse, die er selbst kennen gelernt hatte.

Nach den Sommerferien gab es dann endlich einen freien Platz für mich in der Intensivklasse der Martin-Buber-Schule. Von den 16 Schülern war ich der einzige aus Pakistan. Die anderen kamen aus Afghanistan, Ungarn, Peru, Spanien, der Türkei, Rumänien, Italien und Eritrea. Die einzige Sprache, die wir alle gemeinsam kannten, sollte Deutsch sein, deshalb haben alle versucht, es schnell zu lernen. Am Anfang war es sehr schwer für mich.

Wir hatten drei Lehrerinnen: Frau Kuntze-Engemann, Frau Saar-Tebati und Frau Happel. Wir haben Grammatik bei Frau Kuntze-Engemann, Sprechen bei Frau Saar-Tebati und Mathe bei Frau Happel gelernt.

An meinem ersten Schultag war ich sehr aufgeregt. Mein Cousin hat mich zur Schule gebracht, doch dann war ich ganz allein. Die ersten 3 Monate waren sehr schwer. Ich hatte keine Freunde, ich war oft allein und konnte weder etwas in der Cafeteria bestellen, noch jemandem erklären, was ich brauche.

Danach wurde es besser, ich konnte etwas Deutsch, um in den Randstunden bereits eine Klasse zu besuchen. Aber es war nicht einfach. Zunächst wollte ich nicht aus der Intensivklasse heraus in die normale Klasse. Die Intensivklasse war klein mit nur 16 Schülern. In der Regelklasse habe ich die Lehrer nicht genau verstanden. Die Aufgaben waren sehr schwer zu lösen für mich, da ich sie auch nicht genau verstanden hatte. Nach einiger Zeit habe ich bei Aufgaben, die ich nicht verstanden habe, auch meine Mitschüler gefragt. Dadurch bekam ich eine große Hilfe.

Meiner Meinung nach sprechen alle Ik-Schüler und –schülerinnen gut Deutsch, aber nicht nur deswegen, weil wir viel gelernt haben, sondern auch weil uns unsere Ik-Lehrerinnen mit viel Fleiß und Geduld Deutsch beigebracht haben. Ohne deren Hilfe wäre ich heute nicht so gut und dort, wo ich bin.

Durch viel Fleiß und viele Hausaufgaben in der Intensivklasse habe ich gut Deutsch gelernt. Ich möchte den Kindern der Intensivklasse empfehlen, sich immer auf ihr Ziel zu konzentrieren und es nicht aus den Augen zu verlieren.

Und heute?

Umar ist einer der besten Schüler seines Jahrgangs.

Er hat aufgrund seiner hervorragenden Leistungen dieses Jahr am Mathematikwettbewerb teilgenommen.

Groß-Gerau im März 2014

 

 

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